Datum/Zeit
Date(s) - 21/12/2019 - 22/12/2019
21:00 - 04:00

Veranstaltungsort
RAUM132

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Wir laden Euch herzlich zur Feier der
längsten Nacht des Jahres ein.

Geri Schaufelberger wird uns das wunderbare Gedicht The Raven von
E. A. Poe rezitieren. Su hat sich in seinem Rap – Hörspiel mit Texten von H. P. Lovecraft auseinander gesetzt. Von Thise Gloor sind zwei Lieder nach Texten von E. A. Poe und A. Rimbaud zu hören. Hieronymus Schädler und Thise Gloor begleiten musikalisch durch die Nacht.

  • The Raven Der Rabe
    Once upon a midnight dreary, while I pondered, weak and weary, Over many a quaint and curious volume of forgotten lore— While I nodded, nearly napping, suddenly there came a tapping, As of some one gently rapping—rapping at my chamber door. “‘Tis some visitor,” I muttered, “tapping at my chamber door— Only this and nothing more.” Mitternacht umgab mich schaurig, als ich einsam, trüb und traurig, Sinnend saß und las von mancher längstverklung’nen Mähr’ und Lehr’ – Als ich schon mit matten Blicken im Begriff, in Schlaf zu nicken, Hörte plötzlich ich ein Ticken an die Zimmerthüre her; „Ein Besuch wohl noch,“ so dacht’ ich, „den der Zufall führet her – Ein Besuch und sonst Nichts mehr.“
    Ah, distinctly I remember, it was in the bleak December, And each separate dying ember wrought its ghost upon the floor. Eagerly I wished the morrow;—vainly I had sought to borrow From my books surcease of sorrow—sorrow for the lost Lenore— For the rare and radiant maiden whom the angels name Lenore— Nameless here for evermore. Wohl hab’ ich’s im Sinn behalten, im Dezember war’s, im kalten, Und gespenstige Gestalten warf des Feuers Schein umher. Sehnlich wünscht’ ich mir den Morgen, keine Lind’rung war zu borgen Aus den Büchern für die Sorgen – für die Sorgen tief und schwer Um die Sel’ge, die Lenoren nennt der Engel heilig Heer – Hier, ach, nennt sie Niemand mehr!
    And the silken sad uncertain rustling of each purple curtain Thrilled me—filled me with fantastic terrors never felt before; So that now, to still the beating of my heart, I stood repeating “‘Tis some visitor entreating entrance at my chamber door— Some late visitor entreating entrance at my chamber door;— This it is and nothing more.” Jedes Rauschen der Gardinen, die mir wie Gespenster schienen, Füllte nun mein Herz mit Schrecken – Schrecken nie gefühlt vorher; Wie es bebte, wie es zagte, bis ich endlich wieder sagte: „Ein Besuch wohl, der es wagte, in der Nacht zu kommen her – Ein Besuch, der spät es wagte, in der Nacht zu kommen her; Dies allein und sonst Nichts mehr.“
    Presently my soul grew stronger; hesitating then no longer, “Sir,” said I, “or Madam, truly your forgiveness I implore; But the fact is I was napping, and so gently you came rapping, And so faintly you came tapping—tapping at my chamber door, That I scarce was sure I heard you”—here I opened wide the door:— Darkness there and nothing more. Und ermannt nach diesen Worten öffnete ich stracks die Pforten: „Dame oder Herr,“ so sprach ich, „bitte um Verzeihung sehr! Doch ich war mit matten Blicken im Begriff, in Schlaf zu nicken, Und so leis scholl Euer Ticken an die Zimmerthüre her, Daß ich kaum es recht vernommen; doch nun seid willkommen sehr!“ – Dunkel da und sonst Nichts mehr.
    Deep into that darkness peering, long I stood there wondering, fearing, Doubting, dreaming dreams no mortal ever dared to dream before; But the silence was unbroken, and the stillness gave no token, And the only word there spoken was the whispered word, “Lenore!” This I whispered, and an echo murmured back the word, “Lenore!”— Merely this and nothing more. Düster in das Dunkel schauend stand ich lange starr und grauend, Träume träumend, die hienieden nie ein Mensch geträumt vorher; Zweifel schwarz den Sinn bethörte, Nichts die Stille draußen störte, Nur das eine Wort man hörte, nur „Lenore?“ klang es her; Selber haucht’ ich’s, und „Lenore!“ trug das Echo trauernd her – Einzig dies und sonst Nichts mehr.
    Back into the chamber turning, all my soul within me burning, Soon again I heard a tapping, somewhat louder than before, “Surely,” said I, “surely that is something at my window lattice; Let me see, then, what thereat is, and this mystery explore— Let my heart be still a moment, and this mystery explore;— ‘Tis the wind and nothing more.” Als ich nun mit tiefem Bangen wieder in’s Gemach gegangen, Hört’ ich bald ein neues Pochen, etwas lauter als vorher. „Sicher,“ sprach ich da mit Beben, „an das Fenster pocht’ es eben, Nun wohlan, so laß mich streben, daß ich mir das Ding erklär’ – Still, mein Herz, daß ich mit Ruhe dies Geheimniß mir erklär’ Wohl der Wind und sonst Nichts mehr.“
    Open here I flung the shutter, when, with many a flirt and flutter, In there stepped a stately Raven of the saintly days of yore. Not the least obeisance made he; not an instant stopped or stayed he; But, with mien of lord and lady, perched above my chamber door— Perched upon a bust of Pallas just above my chamber door— Perched and sat and nothing more. Riß das Fenster auf jetzunder, und herein stolzirt’ – o Wunder! Ein gewalt’ger, hochbejahrter Rabe schwirrend zu mir her; Flog mit mächt’gen Flügelstreichen, ohne Gruß und Dankeszeichen, Stolz und stattlich sonder Gleichen, nach der Thüre hoch und hehr – Flog nach einer Pallasbüste ob der Thüre hoch und hehr – Setzte sich und sonst Nichts mehr.
    Then this ebony bird beguiling my sad fancy into smiling, By the grave and stern decorum of the countenance it wore, “Though thy crest be shorn and shaven, thou,” I said, “art sure no craven, Ghastly grim and ancient Raven wandering from the Nightly shore— Tell me what thy lordly name is on the Night’s Plutonian shore!” Quoth the Raven, “Nevermore.” Und trotz meiner Trauer brachte er dahin mich, daß ich lachte, So gesetzt und gravitätisch herrscht’ auf meiner Büste er. „Ob auch alt und nah dem Grabe,“ sprach ich, „bist kein feiger Knabe, Grimmer, glattgeschor’ner Rabe, der Du kamst vom Schattenheer – Sprich, welch’ stolzen Namen führst Du in der Nacht pluton’schem Heer?“ Sprach der Rabe: „Nimmermehr.“
    Much I marvelled this ungainly fowl to hear discourse so plainly, Though its answer little meaning—little relevancy bore; For we cannot help agreeing that no living human being Ever yet was blessed with seeing bird above his chamber door— Bird or beast upon the sculptured bust above his chamber door, With such a name as “Nevermore.” Ganz erstaunt war ich, zu hören dies Geschöpf mich so belehren, Schien auch wenig Sinn zu liegen in dem Wort bedeutungsleer; Denn wohl Keiner könnte sagen, daß ihm je in seinen Tagen Sonder Zier und sonder Zügen so ein Thier erschienen wär’, Das auf seiner Marmorbüste ob der Thür gesessen wär’ Mit dem Namen „Nimmermehr.“
    But the Raven, sitting lonely on that placid bust, spoke only That one word, as if his soul in that one word he did outpour. Nothing further then he uttered; not a feather then he fluttered— Till I scarcely more than muttered, “Other friends have flown before— On the morrow he will leave me, as my Hopes have flown before.” Then the bird said, “Nevermore.” Dieses Wort nur sprach der Rabe dumpf und hohl, wie aus dem Grabe, Als ob seine ganze Seele in dem einen Worte wär’. Weiter Nichts ward dann gesprochen, nur mein Herz noch hört’ ich pochen, Bis das Schweigen ich gebrochen: „Andre Freunde floh’n seither – Morgen wird auch er mich fliehen, wie die Hoffnung floh seither.“ Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“
    The-Raven-Edgar-Allan-Poe-2
    Startled at the stillness broken by reply so aptly spoken, “Doubtless,” said I, “what it utters is its only stock and store, Caught from some unhappy master, whom unmerciful Disaster Followed fast and followed faster till his songs one burden bore— Till the dirges of his Hope the melancholy burden bore Of ‘Never—nevermore.'” Immer höher stieg mein Staunen bei des Raben dunklem Raunen, Doch ich dachte: „Ohne Zweifel weiß er dies und sonst Nichts mehr; Hat’s von seinem armen Meister, dem des Unglücks finstre Geister Drohten dreist und drohten dreister, bis er trüb und trauerschwer – Bis ihm schwand der Hoffnung Schimmer, und er fortan seufzte schwer: ‚O nimmer – nimmermehr!‘“
    But the Raven still beguiling all my sad soul into smiling, Straight I wheeled a cushioned seat in front of bird and bust and door; Then, upon the velvet sinking, I betook myself to linking Fancy unto fancy, thinking what this ominous bird of yore— What this grim, ungainly, ghastly, gaunt and ominous bird of yore Meant in croaking “Nevermore.” Trotz der Trauer wieder brachte er dahin mich, daß ich lachte; Einen Armstuhl endlich rollte ich zu Thür und Vogel her. In den sammt’nen Kissen liegend, in die Hand die Wange schmiegend, Sann ich, hin und her mich wiegend, was des Wortes Deutung wär’ – Was der grimme, finst’re Vogel aus dem nächt’gen Schattenheer Wollt’ mit seinem „Nimmermehr.“
    This I sat engaged in guessing, but no syllable expressing To the fowl whose fiery eyes now burned into my bosom’s core; This and more I sat divining, with my head at ease reclining On the cushion’s velvet lining that the lamp-light gloated o’er, But whose velvet violet lining with the lamp-light gloating o’er, She shall press, ah, nevermore! Dieses saß ich still ermessend, doch des Vogels nicht vergessend, Dessen Feueraugen jetzo mir das Herz beklemmten sehr; Und mit schmerzlichen Gefühlen ließ mein Haupt ich lange wühlen In den veilchenfarb’nen Pfühlen, überstrahlt vom Lichte hehr – Ach, in diesen sammtnen Pfühlen, überstrahlt vom Lichte hehr – Ruhet sie jetzt nimmermehr!
    Then, methought, the air grew denser, perfumed from an unseen censer, Swung by Seraphim whose foot-falls tinkled on the tufted floor. “Wretch,” I cried, “thy God hath lent thee—by these angels he hath sent thee Respite—respite and nepenthe from thy memories of Lenore! Quaff, oh quaff this kind nepenthe, and forget this lost Lenore!” Quoth the Raven, “Nevermore.” Und ich wähnte, durch die Lüfte wallten süße Weihrauchdüfte, Ausgestreut durch unsichtbare Seraphshände um mich her. „Lethe,“ rief ich, „süße Spende schickt Dir Gott durch Engelshände, Daß sich von Lenoren wende Deine Trauer tief und schwer! Nimm, o nimm die süße Spende und vergiß der Trauer schwer!“ Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“
    “Prophet!” said I, “thing of evil!—prophet still, if bird or devil!— Whether Tempter sent, or whether tempest tossed thee here ashore, Desolate yet all undaunted, on this desert land enchanted— On this home by Horror haunted—tell me truly, I implore— Is there—is there balm in Gilead?—tell me—tell me, I implore!” Quoth the Raven, “Nevermore.” „Gramprophet!“ rief ich voll Zweifel, „ob Du Vogel oder Teufel! Ob die Hölle Dich mir sandte, ob der Sturm Dich wehte her! Du, der von des Orkus Strande – Du, der von dem Schreckenlande Sich zu mir, dem Trüben, wandte – künde mir mein heiß Begehr: Find’ ich Balsam noch in Gilead! ist noch Trost im Gnadenmeer?“ Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“
    “Prophet!” said I, “thing of evil!—prophet still, if bird or devil! By that Heaven that bends above us—by that God we both adore— Tell this soul with sorrow laden if, within the distant Aidenn, It shall clasp a saintly maiden whom the angels name Lenore— Clasp a rare and radiant maiden whom the angels name Lenore.” Quoth the Raven, “Nevermore.” „Gramprophet!“ rief ich voll Zweifel, „ob Du Vogel oder Teufel! Bei dem ew’gen Himmel droben, bei dem Gott, den ich verehr’ – Künde mir, ob ich Lenoren, die hienieden ich verloren, Wieder find’ an Edens Thoren – sie, die throhnt im Engelsheer – Jene Sel’ge, die Lenoren nennt der Engel heilig Heer!“ Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“
    “Be that word our sign of parting, bird or fiend!” I shrieked, upstarting— “Get thee back into the tempest and the Night’s Plutonian shore! Leave no black plume as a token of that lie thy soul hath spoken! Leave my loneliness unbroken!—quit the bust above my door! Take thy beak from out my heart, and take thy form from off my door!” Quoth the Raven, “Nevermore.” „Sei dies Wort das Trennungszeichen! Vogel, Dämon, Du mußt weichen! Fleuch zurück zum Sturmesgrauen, oder zum pluton’schen Heer! Keine Feder laß zurücke mir als Zeichen Deiner Tücke; Laß allein mich dem Geschicke – wage nie Dich wieder her! Fort und laß mein Herz in Frieden, das gepeinigt Du so sehr!“ Sprach der Rabe: „Nimmermehr!“
    And the Raven, never flitting, still is sitting—still is sitting On the pallid bust of Pallas just above my chamber door; And his eyes have all the seeming of a Demon’s that is dreaming, And the lamp-light o’er him streaming throws his shadow on the floor; And my soul from out that shadow that lies floating on the floor Shall be lifted—nevermore! Und der Rabe weichet nimmer – sitzt noch immer, sitzt noch immer Auf der blassen Pallasbüste ob der Thüre hoch und hehr; Sitzt mit geisterhaftem Munkeln, seine Feueraugen funkeln Gar dämonisch aus dem dunkeln, düstern Schatten um ihn her; Und mein Geist wird aus dem Schatten, den er breitet um mich her, Sich erheben – nimmermehr!

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